Interviewfragen an Reinhard Remfort zu seinem Projekt an der Hochschule Mannheim, Fakultät Elektrotechnik

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Herr Remfort, Sie arbeiten demnächst in einem Projekt an der Hochschule Mannheim, einem Gemeinschaftsprojekt der Fakultäten Maschinenbau und Elektrotechnik. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit der Hochschule?

Ich bin aktuell als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Dr. Anna Luther bis August 2020 angestellt und bin dem Maschinenbau zugeordnet. Ich arbeite in dieser Funktion neben vielen anderen Kollegen am Projekt MASS2 mit.

Die Fakultät Elektrotechnik möchte neue Wege gehen, was das Vermitteln von Inhalten betrifft. Edu-Scrum wird aktuell von Frau Prof. Luther sehr erfolgreich im Fachbereich Maschinenbau für die Mathevorlesung genutzt. In der Elektrotechnik findet diese Lehrmethode aktuell noch keine Anwendung. Ziel ist es, aufbauend auf den positiven Erfahrungen aus den Mathevorlesungen des Maschinenbaus, in den nächsten Semestern ein ähnliches Konzept für die Physikvorlesungen zu entwickeln und dieses Lehrkonzept dann parallel auch in den Mathematik- bzw. Physikvorlesungen im Fachbereich Elektrotechnik zu erproben.

Die Scrum-Methode aus dem Projektmanagement ist für die Nutzung in Lerngruppen gedacht. Das bedeutet, die Studierenden haben nicht mehr nur den klassischen Frontal-Unterricht, wie man ihn von früher kennt, sondern sie müssen eine Problemstellung in kleinen Gruppen selbstständig lösen. Der Dozent/Professor gibt Hilfestellung und hält sich überwiegend im Hintergrund. Wenn keine Lösung in Sicht ist, werde Impulse gesetzt, um den Lösungsprozess zu triggern.

Was ist das Ziel dieser Edu-Scrum Methode?

Die Studierenden sollen mehr Spaß und Interesse bei den Vorlesungen haben. Wenn ich ehrlich bin, hat man, als ich noch studiert habe, zwar in den Vorlesungen gesessen, aber nach einer gewissen Zeit abgeschaltet und sich dann doch den ganzen Stoff hinterher mit anderen Studierenden selbst erarbeitet. Das geht sicher effektiver und mit mehr Freude am Lernen. Es geht ja darum, zu verstehen, um welche Problemstellung es sich handelt und wie man am besten zu einer Lösung kommt.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man als Professor/Dozent die Leistung der Studierenden kontinuierlich abprüfen kann. So werden Wissenslücken viel schneller entdeckt und man kann besser und zügiger reagieren. So ergeben sich Vorteile für beide Seiten.

Man kennt Sie als Podcaster – wie kam es dazu?

Die Wissenschaft und die Physik im Besonderen haben mich schon immer interessiert. Für viele Menschen ist Wissenschaft sehr abstrakt. Sie mögen sich nicht damit beschäftigen. Ich finde, man muss ganz praktische Beispiele zeigen, wie die Wissenschaft auf Alltagsdinge einwirkt. Mein Podcast, den ich gemeinsam mit einem Freund mache (methodisch inkorrekt – www.minkorrekt.de) ist auch so entstanden. Unser erster Podcast wurde bereits von unglaublichen 80 Leuten gehört, danach wuchsen die Anhänger rasant schnell auf mittlerweile 80.000 Abonnenten  sowie über 6.000 Follower auf Youtube. Das hat uns gezeigt, dass es doch Interesse gibt, komplizierte wissenschaftliche Zusammenhänge einfach zu erklären. Mittlerweile machen wir auch eine kleine Bühnenshow, die uns viel Spaß macht.

Ziel war immer, den Leuten die Angst vor der Wissenschaft zu nehmen, denn sie passiert ständig um uns herum und ist eigentlich gar nicht so kompliziert. Ich würde mir außerdem wünschen, dass sich mehr Frauen in diesem Bereich engagieren und wirklich gleichberechtigt im naturwissenschaftlichen Bereich arbeiten können.

Womit verbringen Sie am liebsten Ihre Zeit, wenn Sie sich nicht gerade mit Physik beschäftigen?

Ich verbringe meine Freizeit gerne mit Podcasts (ich mache neben Minkorrekt noch andere) oder halte auch gerne mal einen Vortrag, um anderen zu zeigen, dass Wissenschaft in unserem Alltag vorkommt und nicht kompliziert sein muss. Darüber hinaus zocke ich ganz gerne oder gehe mit Freunden zum Bouldern. Der Podcast und die Bühnenshow fressen viel Zeit. Motorradfahren gehört auch zu meinen Leidenschaften.

Warum haben Sie sich für die Hochschule Mannheim entschieden?

Wie so oft hat das mehrere Gründe. Zum einen liegt die Hochschule Mannheim in meinem Mobilitätsbereich und zum anderen finde ich das Thema spannend. Als mir Frau Luther das erste Mal Edu-Scrum erklärt hat, fand ich das so interessant, dass ich mir gut vorstellen konnte, diesen Job hier an der Hochschule anzunehmen. Ich finde es gut, dass die Lehre hier an der Hochschule einen großen Stellenwert hat. Wenn man eher praktische Interessen hat, ist man an der Hochschule besser aufgehoben, denke ich.


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